
Der Wunsch, das eigene Unternehmen zu verkaufen, reift oft über Jahre. Ob aus Altersgründen, wegen fehlender Nachfolge oder um neue Wege zu gehen – eines ist sicher: Ohne eine fundierte Unternehmensbewertung fehlt die wichtigste Entscheidungsgrundlage.
Gerade im Tiefbau ist der Unternehmenswert jedoch keine einfache Zahl, die sich auf Knopfdruck ausrechnen lässt. Maschinenpark, Projektlage, regionale Marktstellung, Fachkräfte – all das spielt eine Rolle. Hinzu kommt: Der eigentliche Unternehmenswert und der spätere Verkaufspreis sind selten identisch.
Eine Studie der KfW zeigt: Über 70 % der mittelständischen Unternehmer schätzen den Wert ihres Unternehmens entweder gar nicht oder deutlich zu hoch ein.
⚠️ verprellt ernsthafte Käufer,
⚠️ verliert Zeit in Verhandlungen,
⚠️ oder akzeptiert im schlimmsten Fall einen deutlich zu niedrigen Preis.
Denn wer den Wert seines Unternehmens kennt, verkauft nicht nur – er verhandelt auf Augenhöhe.
Der Wert eines Unternehmens ist keine absolute Größe – er ist immer eine Kombination aus Zahlen, Marktverhältnissen und Zukunftserwartungen. Umso wichtiger ist es, sich vor dem Verkaufsprozess mit den Grundprinzipien der Unternehmensbewertung vertraut zu machen. Denn wer weiß, was potenzielle Käufer betrachten, kann gezielt vorbereiten und realistisch verhandeln.
Ein Unternehmenswert ist der rechnerische Ausdruck dafür, was ein Unternehmen heute wert ist – unter Berücksichtigung seiner Substanz, seiner Ertragskraft und seiner Perspektiven.
→ Die gängigste Methode im Mittelstand. Hierbei wird der erwartete Gewinn der nächsten Jahre berechnet – abgezinst auf den heutigen Wert.
Besonders wichtig: ein stabiles, nachvollziehbares Ergebnis (EBIT oder EBITDA).
→ Dabei wird das Vermögen des Unternehmens bewertet – etwa Maschinen, Grundstücke, Vorräte – abzüglich Verbindlichkeiten.
Für viele Tiefbauunternehmen relevant, wenn der Gerätepark einen großen Teil des Vermögens darstellt.
→ Häufig bei PE-Fonds oder strategischen Käufern verwendet. Es basiert auf realisierten Verkaufspreisen vergleichbarer Firmen.
Im Tiefbau liegt der typische Multiplikator im Bereich 3–6× EBITDA, abhängig von Größe, Spezialisierung und Region.
Eine seriöse Bewertung basiert nie auf Gefühl oder Branchenpauschalen. Sie berücksichtigt sowohl Zahlen als auch unternehmerische Substanz – und muss vor allem eines sein: verständlich, nachvollziehbar und belastbar für beide Seiten.
Im Mittelstand – und ganz besonders im Tiefbau – ist die Unternehmensbewertung kein rein theoretisches Rechenmodell. Vielmehr geht es darum, aus mehreren Methoden ein realistisches und nachvollziehbares Gesamtbild zu entwickeln. Die Wahl des Verfahrens hängt stark davon ab, wer kauft, was verkauft wird und wie stark das Unternehmen strukturiert ist.
Das Ertragswertverfahren ist in vielen Fällen das zentrale Bewertungsmodell, insbesondere bei familieninternen Übergaben oder Verkäufen an strategische Investoren.
Berechnung: Die kĂĽnftig erwarteten Gewinne (EBIT oder EBITDA) werden mit einem Kapitalisierungszinssatz abgezinst.
Praxis: Für stabile, gut geführte Tiefbauer mit konstanter Projektlage ist dieses Modell gut geeignet – insbesondere bei Unternehmen mit hohem Auftragsvorlauf.
Beispiel: Ein Unternehmen mit einem bereinigten EBITDA von 600.000 € und einem Multiplikator von 4 ergibt:
600.000 € × 4 = 2,4 Mio. € Unternehmenswert
Im Tiefbau ist der Substanzwert meist höher als in anderen Branchen – denn Maschinen, Geräteparks, Fuhrparks und Lagerbestände machen oft den Kern des Unternehmensvermögens aus.
Berechnung: Zeitwert aller Vermögensgegenstände abzüglich Schulden und Rückstellungen.
Einsatz: Besonders relevant bei Unternehmen mit geringem Gewinn, aber hohem Maschinenbestand – etwa in Übergangsphasen oder bei Nachfolgen.
Achtung: Der Substanzwert ist selten allein ausschlaggebend, wird aber oft zur Plausibilisierung anderer Verfahren herangezogen.
Strategische Käufer und Finanzinvestoren arbeiten oft mit Multiples, z. B. auf Basis des EBITDA. Diese Multiplikatoren stammen aus vergleichbaren Transaktionen.
Typische Bandbreiten im Tiefbau:
3Ă— EBITDA bei kleineren Unternehmen ohne Struktur
4–6× EBITDA bei etablierten, spezialisierten Betrieben mit Planungskapazität, zertifizierter Qualität, eingespieltem Führungsteam
Vorteil: Schnell und marktbezogen – aber stark abhängig von Vergleichbarkeit und Datenlage.
Die DCF-Methode basiert auf der detaillierten Planung künftiger Zahlungsströme (Cashflows). Sie wird v. a. bei größeren Deals mit institutionellen Käufern (z. B. Private Equity) verwendet.
Voraussetzung: Eine valide 5–7-Jahres-Planung, solides Controlling, stabile Margen.
Praxis im Tiefbau: Kaum eingesetzt bei kleineren Firmen, aber relevant bei ĂĽberregionalen Gruppen oder als Teil von Buy-&-Build-Konzepten.
Im Tiefbau gilt: Nicht ein Verfahren entscheidet – sondern die Kombination. Substanz, Ertrag und Marktumfeld fließen zusammen. Für Verkäufer ist wichtig: Der Unternehmenswert ist keine feste Zahl, sondern ein Argument in der Verhandlung – und sollte professionell vorbereitet sein.
Ein Bewertungsverfahren liefert nur dann ein realistisches Ergebnis, wenn es die relevanten Werttreiber und Risikofaktoren des Unternehmens einbezieht. Und im Tiefbau sind diese Treiber nicht nur in der Bilanz zu finden – oft liegen sie im operativen Detail. Käufer – ob strategisch oder finanziell – schauen daher ganz genau hin.
▶︎ Tipp: Eine strukturierte Maschinenliste mit Baujahr, Restwert und Wartungsstand ist für jeden Käufer ein starkes Signal.
▶︎ Käufer bevorzugen breite, stabile Kundenbasis – idealerweise mit wiederkehrenden Aufträgen.
▶︎ Personalstruktur wirkt direkt auf den Bewertungs-Multiple – insbesondere in Fachkräftemärkten.
▶︎ Diese Punkte führen bei Käufern zu Abschlägen – oder zu Sicherheitsabschlägen in der Dealstruktur (Earn-out, Verkäuferdarlehen).
Der Unternehmenswert hängt nicht nur vom Umsatz oder Gewinn ab – sondern von den Strukturen, die dahinterstehen. Wer diese kennt und gezielt pflegt, steigert nicht nur seinen Wert, sondern auch das Vertrauen potenzieller Käufer.
Eine Unternehmensbewertung ist kein Zahlenrätsel, das sich mit einem Taschenrechner lösen lässt – sie ist ein strategischer Prozess. Doch gerade hier passieren vielen Unternehmern im Tiefbau klassische Denkfehler. Diese führen nicht nur zu falschen Vorstellungen über den Wert des Unternehmens, sondern im schlimmsten Fall auch zu geplatzten Verhandlungen oder einem unter Wert abgeschlossenen Verkauf.
Nach Jahren harter Arbeit und unternehmerischer Verantwortung erscheint das eigene Unternehmen vielen Verkäufern mehr wert, als es der Markt objektiv hergibt.
Typischer Denkfehler: „Was ich aufgebaut habe, ist unbezahlbar.“
Realität: Käufer bezahlen für Zukunftserträge – nicht für Vergangenheit oder persönliche Leistung.
▶︎ Tipp: Lassen Sie Ihre Bewertung von externen Fachleuten vornehmen. Eine neutrale Sicht schützt Sie vor Illusionen – und stärkt Ihre Verhandlungsposition.
Ein außergewöhnlich guter Auftrag, ein Grundstücksverkauf oder Förderzuschüsse verzerren das Ergebnis. Wer solche Sondereffekte nicht kenntlich macht, liefert keine belastbare Ertragsbasis – was Käufer misstrauisch macht.
▶︎ Tipp: Bereinigen Sie Ihre Jahresergebnisse (EBITDA) um Einmaleffekte – für mehr Transparenz und Glaubwürdigkeit.
Stille Reserven: Wenn Maschinen bilanziell abgeschrieben, aber operativ wertvoll sind, wirkt der Substanzwert kĂĽnstlich niedrig.
Schulden: Leasing, Garantien, nicht bilanzierte Verpflichtungen oder Pensionszusagen können den Wert spürbar mindern.
▶︎ Tipp: Lassen Sie eine substanzielle Bilanzanalyse erstellen – inkl. offener Risiken und Reserven.
Ein Käufer braucht Sicherheit über die zukünftige Auslastung und Ertragserwartung. Fehlen diese Nachweise oder ist die Pipeline unklar, reduziert sich der Wert deutlich.
▶︎ Tipp: Erstellen Sie frühzeitig eine strukturierte Projektübersicht – mit Status, Auftraggebern, Laufzeit und erwarteten Margen.
Käufer erwarten strukturierte, vollständige und professionelle Unterlagen – dazu gehören:
▶︎ Tipp: Ein sauber vorbereitetes Datenpaket (Datenraum) signalisiert Verlässlichkeit – und spart Zeit in der Due Diligence.
Viele Bewertungsfehler sind vermeidbar – wenn man sie erkennt. Eine realistische, fundierte und nachvollziehbare Bewertung erhöht nicht nur den Wert, sondern auch die Wahrscheinlichkeit, dass ein Verkauf überhaupt zustande kommt.
Eine professionelle Unternehmensbewertung steht und fällt mit der Vorbereitung. Gerade im Tiefbau, wo komplexe Projekte, ein hoher Materialeinsatz und viele Einzelpositionen zum Alltag gehören, ist es entscheidend, Zahlen, Verträge und Vermögenswerte sauber und nachvollziehbar aufzubereiten. Wer dies frühzeitig tut, spart nicht nur Zeit und Nerven – er signalisiert potenziellen Käufern auch: Dieses Unternehmen ist strukturiert, geführt und verlässlich.
Immer mehr Käufer verlangen die Unterlagen in einem digitalen Datenraum – also als strukturierte, gut beschriftete PDF-Dateien oder Excel-Tabellen, geordnet nach Themenblöcken.
▶︎ Tipp: Wer früh mit der Digitalisierung beginnt, reduziert Rückfragen – und schafft Vertrauen.
❌ Veraltete oder widersprüchliche Unterlagen
❌ Fehlende Maschinenlisten oder unklare Eigentumsverhältnisse
❌ Überraschungen in der Bilanz, die erst im Due-Diligence-Prozess auffallen
Eine gute Bewertung beginnt mit einer sauberen Vorbereitung. Unternehmer, die ihre Zahlen und Unterlagen frühzeitig sortieren, haben nicht nur weniger Stress – sie erhöhen auch die Chancen auf einen strukturierten, erfolgreichen Verkaufsprozess.
Auch wenn es im Verkaufsprozess oft anders wirkt: Der Unternehmenswert ist nicht gleich Kaufpreis. Die Bewertung bildet zwar die Basis für Verhandlungen, doch am Ende zählen auch Verhandlungsgeschick, Käuferinteresse und Deal-Struktur. Gerade im Tiefbau, wo Projektlage, Personalbindung und Substanz stark variieren, hängt der finale Preis von weit mehr ab als einer Formel.
Diese Modelle können den Preis steigern, aber auch Risiken für beide Seiten abfedern.
▶︎ Tipp: Frühzeitig mit M&A- und Steuerberatern die Deal-Struktur simulieren – das schafft Verhandlungsspielraum und verhindert böse Überraschungen.
Der Unternehmenswert ist das Fundament – der Kaufpreis ist das Ergebnis kluger Verhandlungsführung, strategischer Planung und realistischem Erwartungsmanagement. Unternehmer, die diesen Unterschied verstehen, verhandeln erfolgreicher – und sichern den bestmöglichen Abschluss.
Der Unternehmensverkauf ist mehr als ein Geschäftsabschluss – er ist die Übergabe eines Lebenswerks. Wer diesen Schritt gut vorbereitet, kann nicht nur den optimalen Verkaufspreis erzielen, sondern auch sicherstellen, dass sein Betrieb in die richtigen Hände übergeht. Die Bewertung spielt dabei eine zentrale Rolle: Sie ist nicht nur Grundlage für die Preisfindung, sondern auch ein Signal an potenzielle Käufer, wie strukturiert und zukunftsfähig ein Unternehmen aufgestellt ist.
Gerade im Tiefbau ist die Bewertung komplex: Maschinenparks, laufende Projekte, personelle Abhängigkeiten und regionale Besonderheiten machen jedes Unternehmen einzigartig. Standardisierte Modelle greifen hier oft zu kurz. Es braucht branchenspezifische Erfahrung und ein klares Verständnis für Werttreiber und Risiken.
Unsere Erfahrung zeigt: Wer frühzeitig mit der Vorbereitung beginnt, kann den Wert seines Unternehmens nicht nur messen – sondern gezielt entwickeln. TERRAS begleitet Sie auf diesem Weg – diskret, kompetent und mit echtem Verständnis für die Besonderheiten der Tiefbaubranche.
